Kurzbiographie

 

Otto Julius Bierbaum wurde am 23.06.1865 in Grünberg – Niederlausitz geboren. Seine Vater Otto Bierbaum ist Konditormeister, seine Mutter Henriette ist die Tochter einer Bergmannsfamilie.

1870 siedeln die Bierbaums nach Leipzig um und eröffnen dort die „Bierbaumsche Bierwirtschaft“. Diese wirft soviel ab, dass Sohn Otto Julius eine solide Ausbildung erhalten kann. Er bekommt die Grundlagen der Bildung im Dresdner Freimaurerinstitut vermittelt. Besucht dann Gymnasien in Leipzig und Wurzen. An den Universitäten in Zürich, München und Berlin studiert er dann Philoso­phie, Geschichte, Rechtswissenschaft und Sinologie. Geplant ist eine Anstellung im chinesischen Konsulatsdienst. kurz vor dem Abschlussexamen ist allerdings mit dem mit dem bierbaumschen Bierboom Schluss. Der Vater muss Bankrott anmelden.

Schon während seiner Gymnasialzeit ist Otto Julius der Literatur- und Theaterschwärmerei verfal­len. deshalb beschließt er, sich in München eine Existenz als Journalist aufzubauen. Schnell findet er Freunde unter der bayrischen Schriftstellerriege. Am Ammersee lernt er seine 1. Frau Gusti Rathge­ber kennen. Bierbaum erwirbt sich in wenigen Jahren einen Namen als Literaturkritiker und Kunst- Feuilletonist. Er selbst wird von der Schreibbesessenheit erfasst, die ihn nie wieder loslassen wird. Er tummelt in fast allen Bereichen der Literatur. 1892 geht er mit seiner Frau nach Berlin und leitet dort die „Freie Bühne“.

Seine Frau verliebt sich in den Musiker Oskar Fried. Die Scheidung erfolgt 1899. Nach einen kurzen Zwischenhalt in Wien geht er wieder in sein geliebtes München. Dort heiratet er  1901 die Florentinerin Gemma Brunetti – Lotti. Sie wird von ihm und allen die sie kennen, als große Schön­heit gepriesen. Unter den zeitgenössischen Literaten vermerkte man neidisch: „Die schönsten Frauen muss man den phantasielosesten Männer überlassen. Dieser Bierbaum, der Schurke, hat im­mer Glück bei Häusern und Weibern.“

1902 unternehmen die Beiden eine Reise mit dem Auto. Im 35 km/h Tempo geht es von Berlin nach Sorrent und zurück an den Rhein. Die in Briefform entstandenen Reisebeschreibung erhält den Titel: „Eine empfindsame Reise mit dem Automobil“.

1908 lässt sich das Paar in Dresden nieder. Hier erhofft sich Bierbaum die Ausheilung seines Nie­renleidens. Auf anraten des Arztes unternimmt das Ehepaar eine Schiffsreise. Es ist seine letzte Reise und 1909 erscheint sein letzter Reisebericht: „Die Yankeedoodle – Fahrt“.

Am 01.02.1910 erliegt er seinen Herz- und Nierenleiden in Dresden. Seinem Willen entsprechend wird die Urne nach München überführt.

Thomas Mann schrieb: „Es könnte sein, dass sangbares Lied seines Mundes noch lebt, wenn vieles, was heute gewichtiger ist, vergessen ist.“ Leider erfüllte sich diese Hoffnung nicht. Bierbaum, der Mitbegründer der Zeitschrift „Insel“, aus der der Inselverlag entstand, ist heute ziemlich vergessen.

Ein geflügeltes Wort entsteht

Da sitzt Bierbaum, zurück von der großen Schiffsreise, an seinem Schreibtisch. Die Notizen und Fotos von der Kreuzfahrt durch den Orient hat er auf den Tisch gepackt. Daraus soll nun ein Reisebericht werden. Locker, fröhlich wie von ihm gewohnt und vom Verleger erwartet, Aber so fröhlich fand er die Reise nicht. Wenn er an die Mitreisenden und ihre Ignoranz denkt. Auch er hatte so seine Probleme, hat sich durch sein Verhalten selbst beschämt. Außerdem war es seiner Frau und ihm viel zuwenig gelungen, auf eigene Faust auf Erkundung von Land und Leuten zu gehen. Man unterliegt immer dem Herdentrieb. Natürlich gab es auch schöne Erlebnisse und viel zu viel Hammel.

Das noch immer nicht ausgeheilte Nierenleiden und sein rebellisches Herz wollen auch keine Lockerheit aufkommen lassen. An diesem Punkt seine Überlegungen angelangt, gibt er sich einen Ruck: Schließlich ist er Literat und von dieser Arbeit leben seine Frau und er. Also muss und wird er schreiben, entsprechend seines Markenzeichens humorvoll. Nun scheint der Stift wie von selbst auf dem Papier zu schreiben. Einen Satz für den Anfang, einen mit Humor. Und da steht: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Soweit diese kleine fiktive Geschichte. Tatsache ist jedoch: Dieser von uns heute noch so oft gebrauchte Satz wird Bierbaum zugeschrieben. Er stellte ihn der Yankeedoodel – Fahrt als Motto vor-an. Auf fast auf allen Internetseiten, die sich mit Bierbaum beschäftigen findet man diesen Hinweis, Häufig an erster Stelle.
Aus mir unbekannten Gründen fehlt in meiner Buchausgabe das Motto. Aber:

Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Wer nun neugierig auf diesen Otto Julius Bierbaum geworden ist, dem empfehle ich zwei lesenswerte Reiseberichte:

1. Die Yankeedoodle Fahrt – Eine Schiffreise in den Orient,
2. Eine empfindsame Reise im Automobil – Von Berlin nach Sorrent und zurück an      den Rhein

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