Die charmante, kluge Leserin, der aufmerksame und kritische Leser, sie mögen mir verzeihen.

Denn diesmal ist es kein Buch auch kein Autor sondern ein Film über den ich unbedingt schreiben muss.

„Sushi in Suhl“. Zugegeben der Film ist nun schon vor zwei Jahren über die Kinoleinwand geflimmert. In meinem Weißwasser gibt es zwar jede Menge Glas aber halt kein Kino.

Am 06.12.2014 wurde er aber im Fernsehen bei Eins Festival ausgestrahlt.

So wie die Schauspieler agierten, erinnert das stark an das epische Theater von Brecht. Da aber meine Gefühle ständig von mir verlangen für oder gegen den Helden zu sein, habe ich so meine Probleme mit dieser epischen Form.

Dann hat dieser Film durchaus männerfeindliche Aspekte: Die beiden westdeutschen Handelsbosse werden beim betreten des Sentö- Bades in ihrer ganzen prachtvollen Nacktheit gezeigt. Wahrscheinlich eine Verbeugung der Filmemacher vor den Damen. Uns Männern dagegen wird der, sicher phantastische, Anblick der attraktiven HO – Chefin versagt. Das sind aber nur kleine Dinge am Rande.

Gezeigt wird, wie mitten in Suhl ein Mann seinen Traum verwirklicht. Wenn, wie oft betont, sich der Film an der wahren Geschichte des Rolf Anschütz orientiert, dann ist dieser für mich kein Held. Er setzt sich nicht gegen das System in der DDR durch sondern nur mit Hilfe dieses System kann er seinen Traum verwirklichen. Das geschieht rücksichtslos. Folgerichtig verliert er seine Familie. Nur sein Ziel im Kopf, ist er unfähig, seine Ehe zu erhalten und begreift auch die Versöhnungsangebote seiner Frau nicht. Anschütz kocht japanisch. Das ist seine Berufung, darin lebt er. Die Suhler Bevölkerung ist begeistert und steht Schlange. Die Staatsmacht wird Aufmerksam und nutzt immer mehr das nunmehr japanische Restaurant des Rolf Anschütz. Prominente aller Couleur finden sich ein. Die normalen Bürger haben keine Chance mehr. Anschütz denkt auch nicht mehr an seine Freunde, mit denen er immer Montags einen Überraschungsabend veranstaltete. Vor der Japanepoche. Seine Freunde halfen ihn sogar seinen Traum zu verwirklichen.

Als Anschütz sich an seine Freunde erinnert ist es zu spät. Auch diese hat er verloren.

Deshalb fällt es mir auch so schwer, ihm zu glauben, als er während seiner Japanreise davon spricht, dass er wieder in seine Heimat möchte. Ich kaufe ihm ab, dass er zurück möchte. Denn in Japan wäre er halt nur ein normaler Koch. In Suhl aber ist er der außergewöhnliche, von den Oberen gehätschelte Koch. Aber Heimat, das ist nicht nur Natur, sondern auch Familie, und Freundschaft. Das hat Anschütz aber Alles verspielt. Was bleibt nun noch von Heimat? Er ist längst selbst zur Geisha geworden, zum Diener der “Staats- und Parteiführung“.

Sushi in Suhl ist kein Film, der die Geschichte der DDR aufarbeitet. Es ist ein Film der zeigt, wie sich ein Mann seinen Traumerfüllt, aber dabei einsam und nicht glücklich wird.

Träume verwirklichen ist gut und richtig. Jedoch muss man seine Lieben dabei mitnehmen, soll kein Alptraum daraus werden.

(Sushi in Suhl 2012 Regie: Carsten Fiebeler; Rolle des Rolf Anschütz: Uwe Steimle)

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